Zur Europameisterschaft der Fussball-Herren und dem unvermeidlichen Farbentaumel sei noch mal an die Störungen des deutschseligen Sommermärchens anno 2006 erinnert. Die skeptischen Stimmen angesichts der omnipräsenten Beschwörung der nationalen Symbole waren stark vereinzelt. Auch „Linke“ konnte man sagen hören, schwarz-rot-geile MigrantInnen würden doch dem völkischen Konzept der Nation zuwiderlaufen. Aber ein paar schöne Aktionen, die sich die Nationalfahnen als Opfer auserkoren, gab es dann doch. Im Hamburger Schanzenviertel z.B., dem nunmehrigen Pornobrillenzentrum der Hansestadt, mußte eine an einem Baugerüst befestigte überdimensionierte Flagge dran glauben. Nicht-Nationalisten erleichterten das Staatssymbol in einer Nacht-und-Nebel-Aktion um die unterste Farbe, so dass für kurze Zeit die Farben schwarz und rot als Reminiszenz an vergangene Tage das Viertel dominierten. Eine noch destruktivere Fleißarbeit leisteten Deutschland-Hasser aus Nürnberg. Sie sammelten des nächtens eine beachtliche Menge der im Stadtbild reichlich zur Schau gestellten schwarzrotgoldenen Textilien (nach eigenen Angaben exakt 1021) um sie allesamt dem Feuer zu übereignen. Ähnliches hört man in diesem etwas weniger euphorischen Fußballjahr eher seltener.

Nachtrag (25.6.): Spätestens mit dem Erreichen des Halbfinales durch die dt. Elf hat der Fahnen-Aktivismus wieder Fahrt aufgenommen. In mehreren Städten wird wieder zum Einsammeln der Nationalfarben aufgerufen. Zum Geburtstag des Hausprojektes New Yorck 59 und der linksradikalen Zeitschrift Interim sollen Fahnenjäger Punkte sammeln. Ähnliche Aufrufe gibt es in Wuppertal, Heidelberg und Dresden. Lesenswert sind die Ergänzungen auf den entsprechenden Indymediaseiten. Da gibt es einen Hinweis auf § 90 StGB ( Die „Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole“ kann bis zu drei Jahre Knast bringen), den Verweis auf einen erzürnten Artikel in der Nazi-Postille Junge Freiheit und die Frage, ob man Fahnen auch per Post einsenden kann.

Nachtrag (7.7.2008): Auf Indymedia ist die Verleihung des Rijkard-Cups dokumentiert, der anläßlich der EM erstmals in der Rhein-Neckar-Region ausgelobt wurde. Dabei kamen nach Angaben der VeranstalterInnen über 2.000 deutsch-nationale Fahnen und Fähnchen zusammen. Kreativer gab man sich in Greifswald, wo die deutsche Trikolore in einem Fotowettbewerb der örtlichen Antifa neuen Einsatzgebieten zugeführt wurde.

Zur Protestform des Flaggen Verbrennens in anderen Kulturkreisen gibt es auch einen schönen Clip von Extra3.

Michael Welch: Flag Burning: Moral Panic and the Criminalization of Protest, Piscataway: Aldine Transaction, 2000.

Wenn man Deutschland zum Kotzen findet, geht das auch subtiler.

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