Schuh-Eklat im Irak

Der Schuhwurf auf George W. Bush bei dessen Abschiedsbesuch im Irak ist ein schönes Beispiel für die kulturelle Einbindung von Protest und die unterschiedliche Deutung solcher Gesten. Dank des Angriffs weiss jetzt jeder in der westlichen Welt, der es wissen will, dass die Konfrontation mit der Schuhsohle im arabischen Kontext die übelste Beleidigung darstellt. Ohne diese Erklärung ist der Wurf mit dem Laufwerk in unserer Wahrnehmung lediglich Slapstick. Auch der Angegriffene deutete den Zwischenfall so, dass der Schuhprotest lediglich mediale Aufmerksamkeit für die Parolen des Werfers herstellen sollte. Er fühle sich nicht beleidigt. Im Nahen Osten ist der Schuh endgültig zum Symbol des antiamerikanischen Widerstandes geworden. Der Werfer wird als Volksheld gefeiert, die Übertragung der Szene im Fernsehen führte laut taz zu spontanen Freudenfeiern. Auch in anderen Ländern regte der Schuh die Phantasie von KriegsgegnerInnen an. Wie in Monty Pythons „The Life of Brian“ werden nun auf Demonstrationen aufgespießte Schuhe mitgeführt. Ob den Komikern die Bedeutung des Schuhes geläufig (sic!) war?

Nachtrag, 20.1.2009: Der Schuhwerfer Muntaser al-Saidi, der seiner Familie zufolge nach seiner Festnahme von der Polizei misshandelt worden war, will angesichts der Tatsache, dass ihm bei einer Verurteilung im Irak bis zu 15 Jahre Haft drohen, in der Schweiz Asyl beantragen.

Nachtrag, 11.3.2009: Nun ist das Urteil gesprochen. Der Fernsehjournalist soll für drei Jahre ins Gefängnis.

Nachtrag, 16.9.2009: Während Muntaser al-Saidi nach seiner vorzeitigen Entlassung gefeiert wird, Autos und Heiratsanträge bekommt, befasst sich auch die Wissenschaft mit dem transkulturellen Phänomen des Schuhwurfs:

Ibrahim, Yasmin (2009): The Art of Shoe-Throwing: Shoes as a Symbol of Protest and Popular Imagination. In: Media, War & Conflict 2 (2): 213-226.

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