Schüler bereit zum Moscheeprotest

chrismon_UmfrageDas „evangelische Magazin“ Chrismon hat im August das Meinungsforschungsinstitut Emnid mit einer Umfrage zur Protestbereitschaft der Bundesbürger_innen beauftragt. Anlässlich des 20. Jahrestag der Demonstrationen, die das Ende der SED-Diktatur einläuteten ließ die Redaktion fragen, wogegen die Befragten „am ehesten“ auf die Straße gehen würden. Bei den Ergebnissen freut man sich in der aktuellen Chrismon-Ausgabe vor allem über die durchschnittlich 40 %, die angaben, gegen Neonazis protestieren zu wollen. Das ist vielleicht vor dem Hintergrund der sozialen Erwünschtheit solcher Antworten bei Umfragen nicht weiter verwunderlich (von der knappen Auswahl ganz zu schweigen). Aber wie so häufig werden die Ergebnisse erst interessant, wenn man sie sich genauer ansieht.

Da kommen nämlich einige Fragen auf: Warum schwankt z.B. die Protestbereitschaft beim Datenschutz zwischen drei Prozent im Südosten und 19 im Südwesten? Warum mögen unter den Berufstätigen weniger als halb so viele (8 %) gegen Militäreinsätze demonstrieren wie unter den Nicht-Erwerbstätigen (18 %)? Warum erweisen sich Singles als Protestmuffel (7 % würden gar nicht demonstrieren im Vergleich zu 1 % in 3 und mehr-Personen-Haushalten)?

Anstatt die angenehmen Ergebnisse der Befragung zu betonen, hätte man auch auf dieses Ergebnis hinweisen können: Unter Schüler_innen ist der Anteil derer, die „am ehesten“ gegen einen Moscheebau in ihrer Nachbarschaft auf die Straße gehen würden mit 12 % doppelt so hoch wie im Durchschnitt (das gleiche gilt für den Nordosten der Republik, wo die Gefahr eines Sakralneubaus relativ gering sein dürfte). Für den nächsten Jahrestag wäre es spannend zu fragen, zu welchen Themen die Befragten auch wirklich auf die Straße gegangen sind.

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