Archive for the ‘Kommunikationsguerilla’ Category

Vor dem Start von Google Street View in Deutschland regt sich von unterschiedlicher Seite Protest gegen die 3D-Erfassung. Für die Transmediale hatte das Free Art and Technology Lab den Protest schon in einem Film vorweggenommen. Die Gruppe rüstete ein Auto mit Street View Aufbau aus und provozierte damit Proteste von PassantInnen. Darüber hinaus inszenierten die Google-Fälscher selbst Übergriffe auf die Fahrer des Wagens. Sollten sich andere daran ein Beispiel nehmen, könnten bei Google auch in Deutschlands Straßen Bilder zu sehen sein wie im norwegischen Bergen. Dort lauerten zwei Taucher dem Googlemobil auf und jagten dem Gefährt hinterher (siehe auch die Bilderserie bei t-online). Konservativer im Protest gibt sich der Süden Deutschlands. Seit der Herausgeber des Donaukuriers den kalifornischen Fotografierern den Kampf angesagt hat, regt sich regionaler Widerstand. Die FAZ berichtet, dass die Gemeinde Pfaffenhofen verhindern möchte, dass Kindergärten und Schulen im Internet einsehbar sind und dass Familien, die zum Leserkreis der Tageszeitung gehören, in ihrem Garten Protestschilder gegen die Google-Kameras aufstellen. Ein geläufiges Protestmotiv ist die Angst vor Einbrechern, die den Service nutzen könnten, um lohnende Objekte auszuspionieren. Die Bewohner des englischen Broughton veranlassten solche Befürchtungen gar, dem Google-Auto die Fahrt in ihre Nachbarschaft durch eine Menschenkette zu verwehren. Via rebel:art

Kein Protest aber auch inszeniert: Street View Art in Pittsburgh.

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Wie auf Indymedia zu lesen ist, hat das Amtsgericht Heidelberg dem Spitzenkandidaten der pogoparteinahen Radikaldemokratischen Chaosstudierenden (RDCS) ein Strafgeld von 350 € auferlegt. Dieser hatte Flugblätter verteilt, auf denen vier Kandidaten des Ringes Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) verunglimpft wurden. Unter dem Wahlversprechen „Der RCDS kriecht für Euch in jedes Arschloch“ waren die christlichen Bewerber zusammen mit einem „entblößten Gesäss“ (Strafbefehl) abgebildet. Der Ringvorsitzende zeigte sich empört darüber, dass die politische Konkurrenz die Bilder in einem

obszönen, menschenverachtenden und widerwärtigen Kontext öffentlich an der Universität Heidelberg verbreitet. […] Dieses dreiste Vorgehen entspricht nicht unserer Auffassung einer demokratischen Willens- und Meinungsbildung.

Nun geht der juristische Streit in die zweite Runde. Trotz des schmutzigen Wahlkampfes verpassten die Pogoanarchisten übrigens den Einzug in den Senat der Universität Heidelberg.

Unheil für DeutscheBei den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen darf die NPD nach den letzten Hochrechnungen auf fünf bis sechs Prozent der Wählerstimmen hoffen. Die Vorstellung bereitete der Ver.di-Jugend Unbehagen und veranlaßte sie, die in Dresden zahlreich vorhandenen Wahlplakate der Nazi-Partei zu verfremden. Nach dem Eingriff der GewerkschafterInnen lasen die Hauptstadtsachsen veränderte Wahlbotschaften – etwa statt „Wir sind das Volk“

Wir sind die Volksverhetzer,

statt „Arbeit für Deutsche“

Unheil für Deutsche

und statt „Höchststrafe für Kinderschänder“

Höchststrafe für Inderschänder.

Dieser zivile elektorale Ungehorsam reiht sich ein in die Sammlung von NPD-Wahlplakaten durch die Berliner Antifa, deren öffentliche Entfernung durch SAV-Mitglieder in Rostock (in Verbindung mit einer Strafanzeige wegen Volksverhetzung) oder die Zerstörung von NPD-Plakaten allerorten, z.B. in Nordwestmecklenburg.

via Blogchronik der Kommunikationsguerilla, Details bei den Initiatoren ZAK Tübingen.

Frank Loy piedMit diesen Worten begleitete eine Umweltschützerin eine Aktion während des Klimagipfels in Den Haag. Eine Mitstreiterin drückte dem Unterhändler der USA,  Frank Loy, eine Sahnetorte ins Gesicht. Die Regierung von Präsident Bill Clinton zeigte sich drei Jahre nach der Klimakonferenz von Kyoto unwillig, den Kohlendioxidausstoß der USA in einem verbindlichen Rahmen zu reduzieren. Dass so eine Aktion – noch  dazu auf dem Podium – heute, vielleicht in Poznan, gelingt, scheint wegen der erhöhten Sicherheitsmaßnahmen nicht sehr wahrscheinlich. Gründe gäbe es derweil genug. Die Klimakanzlerin hat trotz erderwärmender Worte zu Hause so ziemlich jede Gelegenheit ausgelassen, um z.B. die Auto- und Energieindustrie zum Nachdenken zu bringen.

Genug der Schelte für den blau-gelben Discounter! Nach der Stasi-Affäre bei Lidl und den Anfeindungen von GewerkschafterInnen und anderen Gutmenschen setzen sich die MitarbeiterInnen der Supermarkt-Kette nun für ihren Arbeitgeber ein – und gehen auf die Straße. Der Bericht auf Indymedia zu der Demonstration in Frankfurt am Main ist seit langem einer der ungewöhnlichsten auf der Seite. Parolen wie „Ich arbeite gerne bei Lidl – auch ohne Betriebsrat“ sind wohl doch keine Kommunikationsguerilla-Aktion. Zumindest läßt die gleichnamige Internetseite keinerlei Brechung dieser kuriosen Position erkennen. Näher kommt man des Pudels Kern, wenn man die Sonderberichterstattung von BildOnline zu dem Thema sieht. Angesichts der sonst so unterirdischen Berichterstattung über Demonstrationen erstaunt die positive Bezugnahme auf die Proteste für einen der größten Werbepartner des Boulevardblattes. Fällt doch das Anliegen der Demonstranten auf wundersame Weise zusammen mit der Image-Offensive der Lidl-Stiftung, die ebenfalls (als Anzeige) auf der Bild-Seite zu besichtigen ist.

Torte für OettingerGünther Oettinger, Ministerpräsident des Landes Baden-Würtemberg, ist in die Reihe der Politiker und Wichtigtuer aufgenommen, die mit einer Torte beworfen wurden. Am Donnerstag letzter Woche überraschte ihn eine Studentin bei einer Veranstaltung zu 1-Euro-Jobs in Stuttgart mit einer Schwarzwälder Kirschtorte. Auch Oettingers Personenschützer konnten nicht verhindern, dass die regionale Spezialität das Gesicht ihres Ministerpräsidenten etwas unglücklich verfehlte. Wie ein Video der Attacke zeigt, läßt die Ausbildung der Tortenwerfer in Deutschland noch Wünsche offen. Im Vergleich mit den Klassikern (z.B. Bill Gates oder Bernard-Henri Leví) gibt es durchaus noch Spielraum für Verbesserungen.

via Blogchronik der Kommunikationsguerilla

Mehr CO2-AusstoßFalsche Demonstrationen haben eine lange Tradition. Spätestens seit den 1960er Jahren geben Protestierer vor, ein Anliegen zu vertreten, das die Position politischer Gegner absurd überzeichnet. Einen entschlossenen Eindruck machten die gesetzteren Herrschaften, die im September in Paris gegen den Wahn der Klimaschützer auf die Straße gingen. Unter dem Motto „Ich will CO2“ forderten sie Allradantrieb für alle und Krebs für unsere Kinder. In Frankreich gab es in diesem Jahr nicht nur mehrere Demonstrationen für das Recht auf Abgas, sondern auch eine Fake-Demonstration der Rechten, die Victor Hugo den Tod wünschen und George W. Bush bitten, in seine Gebete aufgenommen zu werden.

Begeisterung für ExzellenzDie Imatrikulationsfeier der Freien Universität Berlin schmückt sich regelmäßig mit Prominenten. Die gestrige Feier, bei der der Vorsitzende des Rates der evangelischen Kirche, Bischof Professor Huber, einen Sermon vor den jungen Studierenden hielt, stand ganz im Zeichen des Aufstiegs der Universität zur Elite. Derjenige, dem dieser Erfolg ganz alleine gehört, FU-Präsident Dieter Lenzen, wurde bei der Immatrikulation mit frenetischem Aplaus gefeiert. Der bei den Feierlichkeiten zahlreich anwesende Dieter-Lenzen-Fanclub bedachte die Erwähnung der Stichworte „Exzellenz“ und „Drittmittel“ mit Hochrufen und anhaltendem Applaus. Die Begeisterung, die sich auch in Sprechchören wie „Freies Denken brauch ich nicht! Dieter sprich! Dieter sprich!“ und in einer Lobeshymne Bahn brach, führte dazu, dass die Rede des Präsidenten ungehört verhallte und dieser vorzeitig und wütend wie ein Nilpferd das Auditorium Maximum verließ (vielleicht auch wegen der Stinkbombe, die langsam ihre Wirkung entfaltete). Kurios an dieser exzellenten Episode ist, dass die offizielle Seite der FU von dem Ereignis berichtet, ohne dass der außerplanmäßige Verlauf mit einem Wort erwähnt würde. Immerhin ist die Rede seiner Exzellenz auf der Internetseite für all jene abrufbar, die während der Immatrikulationsfeier Probleme hatten, dem Präsidenten zu folgen. Das Foto, im Kopf dieser Internetseite macht das Bild der Borniertheit gegenüber der Kritik perfekt: auf ihm sieht man Zuhörer, wie sie sich das FU-Präsidium gewünscht hätte – brav klatschend.

Can’t digest DeutschlandDie Aktionsform des puke-in hat vor allem in den Protesten gegen McDonalds Tradition (gibt’s aber auch in der Friedensbewegung). Im Juni 2006 haben Studierende der Universität der Künste in Berlin gezeigt, dass auch patriotische Imagekampagnen zum Kotzen sind. Als ihre Alma Mater im Rahmen der Sinnlos-Kampagne „Deutschland Land der Ideen“ zu einem „ausgewählten Ort“ werden sollte, kommentierten Sie die offizielle Zeremonie mit einer Kotz-Aktion, bei der sie ihren in den Landesfarben eingefärbten Mageninhalt auf die Fliesen der Uni ausbrachten.