Posts Tagged ‘Antifa’

Botschaften griffig präsentiert IV

Advertisements

Unheil für DeutscheBei den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen darf die NPD nach den letzten Hochrechnungen auf fünf bis sechs Prozent der Wählerstimmen hoffen. Die Vorstellung bereitete der Ver.di-Jugend Unbehagen und veranlaßte sie, die in Dresden zahlreich vorhandenen Wahlplakate der Nazi-Partei zu verfremden. Nach dem Eingriff der GewerkschafterInnen lasen die Hauptstadtsachsen veränderte Wahlbotschaften – etwa statt „Wir sind das Volk“

Wir sind die Volksverhetzer,

statt „Arbeit für Deutsche“

Unheil für Deutsche

und statt „Höchststrafe für Kinderschänder“

Höchststrafe für Inderschänder.

Dieser zivile elektorale Ungehorsam reiht sich ein in die Sammlung von NPD-Wahlplakaten durch die Berliner Antifa, deren öffentliche Entfernung durch SAV-Mitglieder in Rostock (in Verbindung mit einer Strafanzeige wegen Volksverhetzung) oder die Zerstörung von NPD-Plakaten allerorten, z.B. in Nordwestmecklenburg.

Antifa Posterboys

Klinsmann_gegen_Nazis

Was haben Chuck Norris, Jürgen Klinsmann und das Marsupilami gemeinsam? Alle haben bei Mobilisierungen gegen Nazis reüssiert. Jedes Wochenende eine Nazidemo – und gegen jede einzelne will mobilisiert sein. Das ist eine kreative Herausforderung, der sich Antifas allerorten stellen. Von martialischer Frühneunziger-Militanz bis zur hippen Werber-Optik ist alles dabei. Als Identifikationsfiguren besonders beliebt sind Comicfiguren (Marsupilami, Calvin und Hobbes, Kapitän Haddock, Yosemite Sam, Southpark, Emily the Strange) und Filmelden (Chuck Norris, Jack Nicholson, Amelie). Die Antifa-Ikonografie scheint sich zuweilen aber auch zu verselbständigen. Stand das Marsupilami, das mit geballtem Schwanz das Hakenkreuz zerschlug noch für Wut, Entschlossenheit und Militanz, bedienen sich Antifas heute z.T. ziemlich wahllos in der Bilderwelt. Ein Poster, das die Daten des nächsten Aufmarsches mit einem Bild von Jean Seberg unterlegt, ist nicht ohne weiteres zur Mobilisierung von antifaschistischen Emotionen geeignet.

Worch mit Bimmelmütze Jedes Wochenende versammeln sich in vielen deutschen Städten Nazis zu Demonstrationen. Fast ausnahmslos weht ihnen dabei der Wind in Gestalt von Antifas und bürgerlichen Nazigegnern entgegen. 2004 (Recklinghausen), 2005 (Duisburg) und 2006 (Minden) mobilisierten die „freien Kräfte“ auch Heiligabend. Offenbar ohne zu befürchten, sich der Lächerlichkeit preis zu geben, posierte Weihnachten 2006 Christian Worch, fleißiger Daueranmelder auf Seiten der Rechten, mit Zipfelmütze vor dem örtlichen Sex-Kino. Die erhoffte Mobilisierende Wirkung hatte die Maskerade allerdings nicht. Sechzig nationalen Weihnachtsdemonstrierern standen 500 Mindener gegenüber.

Baggern gegen NazisHalbe in Brandenburg ist froh, dass es dieses Jahr von dem Aufmarsch rechtsradikaler Friedhofsbesucher verschont geblieben ist. Seit der Wende war der größte Soldatenfriedhof Deutschlands in dem Ort regelmäßig zum Volkstrauertag der Treffpunkt für nationale Wiedergänger. Nachdem eine Bannmeile die Ewiggesstrigen nicht von ihren Gedenkmärschen abhalten konnte, plant das Amt Schenkenländchen jetzt die Zufahrtswege zum Waldfriedhof Halbe umzugestalten. Wie Ulrich Arndt, der Amtsdirektor, heute in der Abendschau des rbb verkündet, soll dort bald die Pflasterung aufgerissen werden. Statt dessen werden schmale Waldwege entstehen, auf denen das Marschieren keinen Spass mehr bringt. Der Ansatz sollte an Wolfgang Tiefensee weitergeleitet werden.

Heiraten gegen NazisDer Protest gegen den Nazi-Laden „East-Coast-Corner“ in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt in Rostock nimmt neue Formen an. Nach Demonstrationen, Flash-Mobs und militanten Aktionen (zuletzt am Samstag), gab es am Samstag ein Wed-In. Nicht ganz: wed-in würde bedeuten, dass sich ein Paar am Ort des Protestes trauen läßt. Die Liebenden aus Rostock führten ihre Hochzeitsgesellschaft aber nach der kirchlichen Trauung zu dem Laden, um auf Plakaten Ihre Ablehnung zu zeigen. Gäste aus aller Welt wiesen mit Plakaten auf ihre Herkunft hin. Das Ehepaar erklärte: „Wir freuen uns über unsere Gäste aus der ganzen Welt. Wenn sich Rechtsextremismus hier weiter ausbreiten kann, werden garantiert weniger von ihnen, aber auch weniger Touristen kommen. Das bereitet uns Sorgen und muss verhindert werden.“