Posts Tagged ‘Arbeitskampf’

Im letzten Sommer machte Lubna Hussein Schlagzeilen, weil sie und ein dutzend Mitkämpferinnen von einem sudanesischen Gericht zu Stockschlägen verurteilt worden waren, nachdem sie in einem Restaurant Hosen trugen. Die Mitarbeiterin der UN hatte ihren Arbeitsvertrag gekündigt, der ihr Straffreiheit gesichert hätte, um gegen das zu Grunde liegende Gesetz vorgehen zu können. Wie zur Bestätigung des Richterspruches verprügelte die Polizei vor Beginn des Prozesses Unterstützerinnen, von denen einige aus Protest in Hosen vor dem Gericht erschienen waren. In Europa, wo dieser Kampf als ausgefochten gelten kann, wurde das Kleidungsstück im 18. Jahrhundert zur Bestimmung des Geschlechtes herangezogen, wie Heide Wahrlich in ihrem Artikel „Hose und Herrschaft“ nachzeichnet. So konnten Frauen in Hosen als Soldaten oder Matrosen anheuern. Im Frankreich des frühen 19. Jahrhunderts mußten Hosen tragende Frauen eine Erlaubnis des Polizeipräsidenten vorweisen. Erst Ende des Jahrhunderts setzte sich die Reformkleidbewegung, in der feministische und medizinische Motive verschmolzen dann für eine Lockerung der Kleidungsordnung ein. Nichtsdestotrotz waren Frauenrechtlerinnen weiterhin Schmähungen ausgesetzt, wenn sie sich in Hosen zeigten. Selbst im Paris der 1930er Jahre wurde Marlene Dietrich vom Bürgermeister zur persona non grata erklärt, weil sie einen Anzug trug.

Die Jeans, das universelle Symbol jugendlicher Rebellion in Ost und West, ist seit 1999 mit frauenrechtlicher Bedeutung aufgeladen worden. Damals hatte der italienische Kassationsgerichthof ein Vergewaltigungsurteil aufgehoben, weil das Opfer Jeans trug, die -so die Interpretation der obersten Richter- nicht gegen den Willen der Frau hätten ausgezogen werden können. Direkt nach der Entscheidung protestierten weibliche Abgeordnete durch das Tragen von Jeans im Parlament. Seitdem rufen Initiativen gegen sexuelle Gewalt einmal im Jahr zum Denim Day auf, an dem Jeans das Bewußtsein für Vergewaltigung schärfen sollen.

Und noch ein Jeans-Protest. Mitarbeiter des israelischen Aussenministeriums protestierten gegen die im Vergleich zu anderen staatlichen Stellen zu niedrige Bezahlung, indem sie ganz undiplmatisch in Jeans und Sandalen am Arbeitsplatz erschienen. Nachdem die Missachtung der Form schon eine hohe Eskalationsstufe darstellte, weigerten sich die Mitarbeiter auch, Telegramme weiterzuleiten und beim Besuch des russischen Aussenministers Lawrow den roten Teppich auszurollen. Dem Protokoll wurde auch an anderer Stelle nicht genügt, als der Fahrdienst sich weigerte, Staatsgäste zu befördern.

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