Posts Tagged ‘Auto’

platt.jpg Vier Öko-AktivistInnen sprechen heute in der taz über ihre Motivation, rechtschaffenden Bürgern die Luft aus ihren Luxusautos abzulassen. Nach Recherchen der Zeitung sind in den letzten Monaten über 200 Fälle mutwillig entlüfteter PKWs polizeibekannt geworden. Eine Plattmacherin sagt im Interview: „Wir machen nichts kaputt, wir setzen ein Symbol: Stopp, so geht es nicht! Das Plätten ist eine Handlung, an der weder Autobesitzer, Hersteller noch Lobbyisten vorbeikommen. […] Das Fahren dieser Autos sehe ich als symptomatisch für eine Gesellschaft, in der noch einiges schiefläuft – zum Beispiel Besitztümer sehr ungleich verteilt sind. Und dies wird auch noch auf Kosten aller ausgelebt.“ Damit reiht sich das dégonfler in eine Reihe von Aktionen ein, mit denen auf die Auswirkungen des PS-strotzenden Individualverkehrs aufmerksam gemacht wird (ja, auch Greenpeace hatte dazu Aktionen). Während das Inbrandsetzen von Autos zweifelsfrei strafbewehrt ist, bleibt umstritten, ob das Ablassen von Luft überhaupt als Straftat (Sachbeschädigung oder gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr) einzuschätzen ist. Mit dieser Frage beschäftigt sich schon heute die nächste Generation von Juristen.

Nachtrag (27.6.2008): Geplattet wird immer noch – im Moment aus Protest gegen die Umstrukturierung von Friedrichshain.

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Festnahme auf der Autobahn in FrankfurtDie Nachricht ist zwar nicht mehr neu, aber ziemlich kurios: Drei Studierende der Universität Marburg sind vom örtlichen Amtsgericht wegen Nötigung zu vier bis sechs Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung und 200 Arbeitsstunden verurteilt worden. Die drei Asta-Mitglieder sollten wegen der Blockade der Marburger Stadtautobahn zur Rechenschaft gezogen werden, die im Mai 2006 Teil der Proteste gegen die Einführung der Studiengebühren in Hessen war. Für die Urteilsfindung war es laut Asta unerheblich, dass die Polizei keine Zeugenberichte aufgenommen oder Akten angelegt hatte und dass sie keine Gedächtnisprotokolle der anwesenden BeamtInnen vorweisen konnte. Mit den Freiheitsstrafen ging Amtsrichter Jürgen-Peter Taszis weit über die von der Staatsanwaltschaft geforderten Geldstrafen hinaus – und das, obwohl die drei Verurteilten ihre Mitstudierenden dazu bewegt hatten, die Blockade abzubrechen. Selbst der Präsident der Marburger Universität, Gebührenfan Volker Nienhaus, konnte das Urteil nicht nachvollziehen: „Dass ausgerechnet die drei herausgegriffen wurden, die versucht haben, Konfrontationen zu vermeiden, ist schon etwas irritierend.“ Die richterliche Anweisung, die Verurteilten sollten ihre Arbeitsstunden bei der Straßenmeisterei ableisten, wurden von Marburger Studenten mit einer Aktion kommentiert, bei der sie in Häftlingskleidung Straßenschilder und Polizeiautos putzten. Um dabei zu helfen, die Prozesskosten zu decken, darf man gerne auf das Konto der bunten Hilfe Marburg spenden: Konto Thomas Werther, Sparkasse Marburg-Biedenkopf, BLZ: 53350000, Kontonr.: 1018009940, Stichwort: Autobahn

Brennende-Autos.de

Brennendes AutoNach den höchst seltsamen juristischen Konstruktionen, bei denen aus Brandanschlägen auf unbemannte Autos die Aktionen einer terroristischen Vereinigung nach § 129a wurden, ist die Seite brennende-autos.de von erfrischender Nüchternheit. Sie registriert die in Berlin abgefackelten Automobile, die mit den Protesten gegen den G8-Gipfel in Verbindung gebracht wurden (und übrigens bis heute anhalten). Dabei zeigt sich eine auffällige Häufung in Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg, die den Verdacht nahe legt, dass die dort ansässigen Revolutionäre kaum bereit sind, ihre Fanale in Stadtteile zu tragen, die nicht fußläufig erreichbar sind. Als Gegenbewegung kann die Aktionsform des Plattens, also der Entlüftung von Reifen bei Luxusautos, gelten. Die Aktivisten, die sich dieser Form des Umweltschutzes verschrieben haben, lassen die PKWs bis auf den Druckabfall unversehrt. Sie hinterlassen zudem ein Flugblatt, dass die Aktion erklärt und sie nehmen auch weitere Strecken in die Villengebiete der Hauptstadt in Kauf.