Posts Tagged ‘Blut’

Die Anhänger des ehemaligen thailändischen Premierminister Thaksin Shinawatra haben dem Blutspendeprotest eine neue Dimension gegeben. Den jüngeren Studentenbewegten klingt vielleicht noch der Slogan „Bluten für die Bildung“ nach, unter dem GegnerInnen von schlechten Studienbedingungen und Studiengebühren zur kollektiven Blutabgabe aufriefen. Zuerst mag das im Lucky Streik 1997/98 erprobt worden sein, in späteren Protestwellen wurde die Blutspende dann endgültig ins Protestrepertoire aufgenommen und 2009 sogar mit einer eigenen Internetseite bedacht. Auf der wird die Idee niedrigschwellig angepriesen:

Einfach Perso mitbringen, anmelden, spenden, lecker Brötchen essen und fertig.

Die Proteste in Bangkok und an deutschen Universitäten unterscheidet nicht nur diese Leichtigkeit oder die Tatsache, dass dort das Blut demonstrativ vor dem Präsidentenpalast vergossen wurde, während der Lebenssaft hier eingetütet und in den Krankenhauskreislauf eingespeist wurde. Die Aktionen der Studierenden hierzulande reihen sich in die mehr oder weniger spaßige Serie sprichwortgenerierter Protestformen ein (s.a. „die Bildung geht baden“, „unser letztes Hemd für die Bildung“, etc. pp.). In Thailand dagegen hat der Protest eine andere symbolische Aufladung. In einer Auseinandersetzung auf hohem Konfliktniveau zeigt das Blut, was auf dem Spiel steht. Zum einen zeigt die Opposition der Rothemden (sic!) ihre Entschlossenheit. Zum anderen erhofft sie sich aber auch Einfluss auf die anstehenden politischen Entscheidungen, indem sie mögliche Konsequenzen in dem Bild des verschütteten Blutes vorwegnimmt.

À propos Blutspendenprotest: überall auf der Welt haben sich Schwule und Lesben dagegen gewehrt, dass Blutspendedienste ihnen die Spende wegen angeblicher Gesundheitsrisiken verwehrte. In China kursierte gegen diese Politik eine Unterschriftenliste, in Südafrika behaupteten Aktivisten, bei einer konzertierten Blutspende ihre sexuelle Orientierung verschiegen zu haben, um dann die Praxis zu skandalisieren.

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Blutige HändeProtest in Farbe: In der letzten Woche empfingen Code Pink AktivistInnen die US-Außenministerin Condoleezza Rice bei einer Sitzung des Außenausschusses. Einige waren nicht in den Sitzungssaal eingelassen worden, weil sie Pink trugen, die Farbe, die sich die Friedensbewegung in den letzten Jahren zueigen gemacht hat. Eine der FriedensdemonstrantInnen drang allerdings bis zu der Chefdiplomatin vor, um Condi ihre rot bemalten Hände zu zeigen. Die Aktion, mit der die Code Pink AktivistInnen die blutige Realität des Krieges in die abstrakte außenpolitische Diskussion bringen wollten, brachte es in den USA auf die Titelseiten. In einer anderen kriegführenden Nation war auch früher schon die Farbe rot benutzt worden, um das Blut der im Krieg Ermordeten sichtbar zu machen: die Gruppe bomb London hat ein besonderes Faible für Hämoglobin. Unter anderem färbte die Gruppe 2005 den Brunnen am Trafalgar Square rot ein.

Rachel Kutz-Flamenbaum: Code Pink, Raging Grannies, and the Missile Dick Chicks: Feminist Performance Activism in the Contemporary Anti-War Movement, NWSA Journal 19 (1) 2007, S. 89-105.