Posts Tagged ‘Hedonisten’

Alexander Wolodarskij, Aktivist, Künstler und als Blogger unter dem Namen shitman bekannt, konnte sich eines Kommentars zu der ukrainischen Expertenkomission nicht enthalten, die entscheidet, welche Inhalte  mit gesetzlichen Mitteln in moralische Schranken zu verweisen (vulgo: zu zensieren) sind. Im letzten November entblößten sich Wolodarskij und eine Freundin vor dem Ukrainischen Parlament und versammelter Presse, täuschten eine Kopulation an und forderten dazu eine Expertenmeinung ein. Jetzt droht den beiden eine Verurteilung zu bis zu vier Jahren Haft wegen „durch Gruppen vollzogenes Rowdytum“ (Hintergründe zur Situation in der Ukraine und zu seinem Fall gibt Alexander Wolodarskij im Interview mit Metronaut). Als Ausdruck der Solidarität haben sich jetzt AktivistInnen in Berlin und Hamburg vor diplomatischen Vertretungen der Ukraine entkleidet und auf die Lage der Performer aufmerksam gemacht.

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SchnaeppchenjagdNachdem der „weltgrößte Media-Markt“ in dem potthässlichen Alexa Einkaufszentrum am Berliner Alexanderplatz schon kurz nach seiner mitternächtlichen Eröffnung (Werbung: „Die größte Öffnung seit dem Fall der Mauer“) vorzeitig geschlossen werden musste, entbrennt bei Indymedia die Diskussion darüber, ob die hedonistische Internationale mit ihrem konsumkritischen Protest zum Ende der Schnäppchenjagd beitragen konnte. Mit Parolen wie „Wir wollen nur – friedlich investieren“ oder „Leute lasst das kaufen sein, wir laden euch zum Plündern ein!“ und elektronischer Musik boten die Konsumkritiker eine Alternative zum Einkaufswahn. Die Polizei und bürgerliche Medien machen jedenfalls die Ellenbogenmentalität der Sparfüchse für das jähe Ende der Neueröffnung verantwortlich. Wenigstens ist die Protestaktion in der konservativen „Welt“ erwähnt – und die stellt in ihrer unverwechselbaren Art durchaus einen Zusammenhang zwischen Konsumkritik und Chaos im Verbrauchermarkt her: „Vor der Haustür schreien rund 100 Autonome ihren Hass auf die Konsumwut heraus, viele Kunden sind fassungslos. ‚Das ist doch lebensgefährlich!‘, sagt ein junger Kunde, der rückwärts die Rolltreppe heruntergestoßen wird.“

Nachtrag (13.9.) : Mittlerweile gibt es auch einen ausführlichen Indymedia-Bericht