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Knoedl_SchleuderMünchen 1967: Tiefflieger donnern über das Haus von Helmut Winter – bis zu 100 am Tag. Als der Werbegrafiker bei einem Überschallknall so erschrickt, dass er seine Zeichnung verhunzt, beschließt er tätig zu werden. In der Abendzeitung schaltet er die Anzeige:

Flugabwehrgeschütz mit ausreichender Munition gesucht zur Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung im westlichen Luftraum Münchens, Zuschriften erbeten unter 1/3469 Z.

Zunächst kommen nur Angebote von durchgeknallten Waffennarren, die die Besatzerflugzeuge vom Himmel holen wollen. Nachdem die Anzeige auch im Hohlspiegel erschienen ist, meldet  sich die BBC bei Winter und will sein militärisches Potential einschätzen. Der sieht sich im Zugzwang und legt sich eine Schleuder nach Da Vincis Vorbild zu. Als Geschoß verwendet er Semmelknödln, die zwar nicht an die Starfighter über seinem Garten heranreichen, aber ein internationales Medienecho auslösen. Und tatsächlich hat der Knödl-Schütz einen enormen Erfolg, wie er der örtlichen NIMBY (not in my backyard)-Bürgerinitiave nicht beschieden war: zuerst lenken die US-Flieger ein, dann stellt auch die Bundeswehr ihre Flüge über München-Pasing ein.

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Hätte eigentlich schon viel früher kommen müssen: Ein Beitrag zum geplanten Versammlungsgesetz in Bayern. Der Gesetzentwurf ist ein fulminanter Abschied vom Grundrecht auf Versammlungsfreiheit. Ein kleiner Ausschnitt für alle, die in Zukunft auf bayerisch freistaatlichem Hoheitsgebiet eine Demonstration anmelden wollen: Versammlungsleiter müssen darauf hinwirken, dass es auf einer Demonstration nicht zu Gewalt kommt. Falls das passiert, müssen sie die Demonstration auflösen. Tut das der Versammlungsleiter zu spät droht eine Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr. Zum Anmelder muß man es aber erstmal bringen. Die zuständige Behörde kann einen nämlich als ungeeignet ablehnen. Darüber hinaus sollen Demonstrationen im ganzen abfotografiert werden, ein „Militanzverbot“ überläßt dem Einsatzleiter der Polizei die Entscheidung darüber, ob von einer Versammlung eine „einschüchternde Wirkung“ ausgeht und er die Demonstration lieber auflösen möchte, und viele andere Schmankerln mehr. Gerechtfertigt wird der feuchte innenministeriale Traum mit den Schwierigkeiten der Behörden im Umgang mit extremistischen Versammlungen. Gegen diesen absurden Gesetzentwurf regt sich verständlicherweise einiger Widerspruch. Unter anderem auf einer Demonstration mit 2.000 TeilnehmerInnen in der Landeshauptstadt. Zuvor hatten sich Münchener Anwälte des noch geltenden Demonstrationsrechts bedient und sich in ihren Roben zu einem schwarzen Block formiert. Die einschüchternde Wirkung dieses anwaltlichen Blocks mag der Betrachter dem oben eingefügten Foto entnehmen.