Posts Tagged ‘Presse’

platt.jpg Vier Öko-AktivistInnen sprechen heute in der taz über ihre Motivation, rechtschaffenden Bürgern die Luft aus ihren Luxusautos abzulassen. Nach Recherchen der Zeitung sind in den letzten Monaten über 200 Fälle mutwillig entlüfteter PKWs polizeibekannt geworden. Eine Plattmacherin sagt im Interview: „Wir machen nichts kaputt, wir setzen ein Symbol: Stopp, so geht es nicht! Das Plätten ist eine Handlung, an der weder Autobesitzer, Hersteller noch Lobbyisten vorbeikommen. […] Das Fahren dieser Autos sehe ich als symptomatisch für eine Gesellschaft, in der noch einiges schiefläuft – zum Beispiel Besitztümer sehr ungleich verteilt sind. Und dies wird auch noch auf Kosten aller ausgelebt.“ Damit reiht sich das dégonfler in eine Reihe von Aktionen ein, mit denen auf die Auswirkungen des PS-strotzenden Individualverkehrs aufmerksam gemacht wird (ja, auch Greenpeace hatte dazu Aktionen). Während das Inbrandsetzen von Autos zweifelsfrei strafbewehrt ist, bleibt umstritten, ob das Ablassen von Luft überhaupt als Straftat (Sachbeschädigung oder gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr) einzuschätzen ist. Mit dieser Frage beschäftigt sich schon heute die nächste Generation von Juristen.

Nachtrag (27.6.2008): Geplattet wird immer noch – im Moment aus Protest gegen die Umstrukturierung von Friedrichshain.

Advertisements

SchnaeppchenjagdNachdem der „weltgrößte Media-Markt“ in dem potthässlichen Alexa Einkaufszentrum am Berliner Alexanderplatz schon kurz nach seiner mitternächtlichen Eröffnung (Werbung: „Die größte Öffnung seit dem Fall der Mauer“) vorzeitig geschlossen werden musste, entbrennt bei Indymedia die Diskussion darüber, ob die hedonistische Internationale mit ihrem konsumkritischen Protest zum Ende der Schnäppchenjagd beitragen konnte. Mit Parolen wie „Wir wollen nur – friedlich investieren“ oder „Leute lasst das kaufen sein, wir laden euch zum Plündern ein!“ und elektronischer Musik boten die Konsumkritiker eine Alternative zum Einkaufswahn. Die Polizei und bürgerliche Medien machen jedenfalls die Ellenbogenmentalität der Sparfüchse für das jähe Ende der Neueröffnung verantwortlich. Wenigstens ist die Protestaktion in der konservativen „Welt“ erwähnt – und die stellt in ihrer unverwechselbaren Art durchaus einen Zusammenhang zwischen Konsumkritik und Chaos im Verbrauchermarkt her: „Vor der Haustür schreien rund 100 Autonome ihren Hass auf die Konsumwut heraus, viele Kunden sind fassungslos. ‚Das ist doch lebensgefährlich!‘, sagt ein junger Kunde, der rückwärts die Rolltreppe heruntergestoßen wird.“

Nachtrag (13.9.) : Mittlerweile gibt es auch einen ausführlichen Indymedia-Bericht