Posts Tagged ‘Verkleidung’

polizeiclownsDie Clandestine Insurgent Rebel Clown Army und ihre Ableger haben sich in den letzten Jahren zum festen Bestandteil von globalisierungskritischen, anti-militaristischen und anderen Protesten gemausert. Ihre Persiflage der uniformierten Einfalt wird in Videos beworben, in Workshops eingeübt, in Gruppen vorbereitet und von FotojournalistInnen gerne abgebildet. Die Betroffenen sind unsicher, sauer oder belustigt. Derart emotionales Tohuwabohu können natürlich weder die Behörden noch die fürsorgliche Gewerkschaft der Polizei dulden. So entwickelte die Polizeidirektion Koblenz anlässlich der Demonstration gegen die „angebliche Lagerung von Atomwaffen“ (GdP) in Büchel Auflagen, um den Aktionsradius von Clowns einzuengen. Die Analyse:

Die Menschen treten unter der Maske des Clowns in Gruppen auf. Ihr Ziel ist es, durch teilweise akrobatische Einlagen, vor allem aber durch Distanzunterschreitung, Nachäffen und durch ständiges kindlich naives Einreden, die dadurch verunsicherten Einsatzkräfte lächerlich zu machen, um so die Öffentlichkeit auf ihre Seite zu ziehen.

Die Auflagen:

1. Das Mitführen von Wasserpistolen, Sprühgeräten Pumpen oder sonstigen Gegenständen, die geeignet sind, Polizeibeamte mit Seifenlaugen, Säuren oder anderen Flüssigkeiten zu bespritzen wird untersagt. … 2. Teilnehmer, die in der Aktionsform der Rebel Clowns Army auftreten …, ist es untersagt, die Einsatzkräfte zu behindern. Es ist Ihnen insbesondere untersagt, sich den Einsatzkräften weiter als bis auf drei Metern zu nähern.

Diese Auflagen erscheinen später im Monatsheft der Polizeigewerkschaft, um den KollegInnen die Angst vor Säureattaken zu nehmen. Damit die OrdnungshüterInnen bei der nächsten Demonstration auf die psychischen Belastungen durch die Clowns-Armee vorbereitetet sind, wird diese Protestform außerdem in die Ausbildung integriert. Bei der Polizeiübung „Kranich“ schlüpften zu diesem Zweck (offensichtlich ausschließlich weibliche) Anwärterinnen in Kostüme, die eine sehr offene Interpretation der Clowns-Uniform genannt werden müssen. Aus einem Restbestand deutscher Nationalfahnen zusammengenäht, wurden die Verkleidungen der naziclownPolizeiclowns sinnhaft ergänzt durch schwarzrotgeile Winkelemente, Blockflöten und Klobürsten… Á propos eigenwillige Interpretation: auch Rechtsradikale haben die Clown-Figur für sich entdeckt. In Zella-Mehlis störten clownsmaskierte Nazis einen antifaschistischen Info-Stand. Die beschränkte Kreativität in punkto Verkleidung scheint sich zu bestätigen.

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via Blogchronik der Kommunikationsguerilla, Details bei den Initiatoren ZAK Tübingen.

Die Nachwuchsorganisation der christlichen Volksparteien hält die Erinnerung an das Mauerregime aufrecht und verbindet dieses Anliegen auf wunderbare Weise mit der tagespolitischen Debatte. Kostümiert als Angehörige der Nationalen Volksarmee marschierten die Jungpolitiker zum Jahrestag des Mauerbaus vor der Parteizentrale der Partei Die Linke auf (Fotos auf der JU-Seite). Gebrochen wurde dieser Auftritt durch Plakate mit der Aufschrift „Freiheit statt Sozialismus“ und „Früher war ich Mauerschütze, heute wähle ich links“, die die Grenzer den versammelten Pressevertretern präsentierten. Mit der Aktion dürften sie die Einführung eines Sozialismusparagraphen in der hesischen Landesverfassung verhindert haben. Böse Zungen würden die – nach Angaben der taz „frisch rasierten“ – Jungunionisten angesichts der Reaktivierung der Wahlkampfparole von 1976 wohl allerdings als ewiggestrig bezeichnen. In Bayern wäre die uniformierte Aktion wegen des neuen Militanzparagraphen im Versammlungsrecht wohl gar nicht erst genehmigt worden.

Mobilisieren mit Maskerade

boston-tea-party-s.jpgIn der Verkleidung kommt der kreative Protest zur vollen Blüte. Egal ob man belebte oder unbelebte Dinge darstellt – im Kostüm kann man seine Botschaft auf den Punkt bringen. Und das hat Tradition: einer der legendärsten Proteste in Verkleidung dürfte die Boston Tea Party gewesen sein, mit der Bürger von Boston im Dezember 1773 gegen die Abhängigkeit von der britischen Krone aufbegehrten. Es gibt kaum etwas, das Demonstranten nicht schon verkörpert haben: Kühe, Neandertaler, Kloschüssel und Wasserhahn, Linux-Pinguine, Orang-Utans, Spritzen, Spermien, Rentiere, Kaninchen, Weihnachtsmänner, etc.pp. Die Jagd auf Bruno, den Problembären, hat z.B. zahlreiche Tierschützer in ein Bärenkostüm schlüpfen lassen. Während die einen unter dem Motto „Wir alle sind Bruno“ in Berlin Jagdszenen vorführten, verwirrten die anderen als Bruno-Doppelgänger bayerische Jäger. Nicht weniger gewagt war die Aktion eines engagierten Vaters aus der Gruppe „Fathers 4 Justice“, der im Batman-Kostüm den Buckingham-Palast erklom, um gegen die Sorgerechtsregelung im Vereinigten Königreich zu protestieren. Nur am rechten Rand sind Innovationen im Verkleidungs-Metier eine Fehlanzeige. Michael Kühnen hat mit seinen Kameraden in der Szene offensichtlich Maßstäbe gesetzt. Anti-Doping-ProtestIm Mai 1978 präsentierten sich die Hamburger mit einer Eselsmaske (S.6) und dem Plakat „Ich Esel glaube immer noch, daß in Auschwitz Juden vergast wurden“. Die Aktion ist seitdem x-Mal von Kühnen-Epigonen kopiert worden. Kreativität zeigte sich dabei lediglich in der Formulierung des Textes – nach dem einleitenden Halbsatz.

„Kuscheltier der Apokalypse“

Knut gegen G8Knut, männlicher Eisbär aus Berlin war es wohl leid, von einem Umweltminister als Maskottchen der Artenvielfaltkonferenz 2008 in Bonn eingespannt zu werden. Aus Unzufriedenheit mit der Klimapolitik der Bundesregierung und der anderen G8-Staaten beteiligte sich das Gipfelraubtier an den Protesten gegen das Politikertreffen in Heiligendamm in Berlin, Kassel und Rostock. Die „Nordpolgruppe Kassel“, die die Initiative „Knut gegen G8“ ins Leben gerufen hat, führt die schwindenden Lebensgrundlagen der Eisbären unter anderem auf die Untätigkeit der Gruppe der Acht bei der Eindämmung der Klimakatastrophe zurück. Für die Hochglanzzeitschrift Cicero Grund genug, Knut zum Kuscheltier der Apokalypse zu ernennen.